Aufforderungen an die Politik

Juli 2018
Offene E-Mail an alle Parteien und Fraktionen der BVV Treptow-Köpenick

Hinweis:
Dies ist eine „Offene E-Mail“ analog eines „Offenen Briefes“.
Der Politische Marktplatz veröffentlicht untenstehende „Offene E-Mail“ aus Gründen politischer Transparenz auf seiner Webseite und gegebenenfalls auch die Antworten auf diese Email.

Sehr geehrte…

Oberschöneweide spiegelt den allgemeinen demokratischen Verfall der Gesellschaft. Man findet hier kaum einen Menschen, der einen anderen Eindruck hätte: der Bezirk rund um den Rathenau-Komplex ist entpolitisiert.
Auch Medienberichte bestätigen unfreiwillig diese These. Der alte Industriebezirk wird ausschließlich unter der Perspektive eines kommerziellen Zukunftsorts von Investoren, Gewerbetreibenden und Bodenspekulanten beschrieben. Stimmen der Bevölkerung kommen kaum zu Wort.

Wie kann man die Lebensqualität des Viertels verbessern? Wie attraktiv beispielsweise ist es, in der Wilhelminenhofstraße – dem angeblichen Mittelpunkt des Viertels – zu flanieren, einzukaufen, vielleicht in einem Cafe einzukehren? Wie steht es um die ökologischen Qualitäten des Viertels? Wie ist es um Spielplätze und Kitas bestellt? Alles in allem:
Wie wohl fühlen sich die Menschen, die hier wohnen und für sich eine lebenswerte Zukunft erwarten? Unter ihnen immer mehr junge Eltern mit ihren Kindern. Solche Fragen werden nirgendwo gestellt.

Wer hingegen regelmäßig in den Medien zu Wort kommt, sind apolitische Technokraten und VertreterInnen partieller Interessen, die über keinerlei gewählte Legitimation verfügen – wie etwa die Leiterin des Industriesalons. Erschreckend, dass es kaum PolitikerInnen gibt, die ihre Visionen eines humanen Zusammenlebens in der Öffentlichkeit zur Debatte stellen. Politische Diskussionen zwischen „Oben“ und „Unten“ sucht man ohnehin vergeblich.

Um diesen Trend der Entdemokratisierung zu stoppen und ins Gegenteil zu verkehren, fordern wir die Einrichtung eines BürgerInnen- und Jugendparlaments. Der sträflich vernachlässigte Platz am Kaisersteg muss in einen einladenden politischen Marktplatz verwandelt werden, in einen Treffpunkt der Begegnung für alle, die sich für ihr Viertel verantwortlich fühlen. Das Beispiel der Weimarer Republik sollte uns
warnen: je entpolitisierter eine Gesellschaft wird, je schneller werden die entstehenden Lücken von antidemokratischen Kräften besetzt.
Das muss verhindert werden.

Nähere Begründungen in den beiden Anlagen.

Mit freundlichen Grüßen
Renate Auer
www.politischer-marktplatz.de

2 Anlagen:
Flugblatt: In Oberschöneweide wohnen keine Menschen
Flugblatt: Oberschöneweide ist kein Industriesalon